Über die Spandauer Zitadelle

Über die Spandauer Zitadelle

Eines der Wahrzeichen des Berliner Bezirks Spandau ist der auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Juliusturm. Der Juliusturm, der später in währungspolitischen Debatten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Synonym für „Solidität“ wurde, ist der älteste Teil der im 16. Jahrhundert errichteten Zitadelle Spandau. Dieses heute, auch unter Berücksichtigung zahlreicher Um- und Zubauten sowie einiger Zerstörungen, zu den besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance-Zeit zählende Baudenkmalensemble kann eine bewegte Vergangenheit und eine lebendige Gegenwart aufweisen.

Der Juliusturm der Zitadelle Spandau

Der Juliusturm der Zitadelle Spandau

Auf den Grundfesten einer möglicherweise bereits im 11. Jahrhundert errichteten askanischen Burganlage wurde zwischen 1559 und 1594 auf Befehl der brandenburgischen Kurfürsten zum Schutz der Stadt Spandau und vor allem der Residenz Berlin eine nach damals modernsten Vorgaben geplante Festung gebaut. Verantwortliche Hauptbaumeister des Projekts waren die italienischen Festungs-Architekten Francesco Chiaramella de Gandino und ab 1578 Rocco Conte di Linari (Rochus Graf von Lynar).

Das unweit des Havelufers im Spandauer See gelegene Festungswerk wurde unter Einbeziehung von Juliusturm und dem Palas der Landesherren als nahezu quadratisches Rechteck mit jeweils einer mächtigen Bastion an jeder Ecke konzipiert. Die Bastionen erhielten die Bezeichnungen „König“, „Brandenburg“, „Kronprinz“ und “Königin“. Die einzelnen Bastionen wurden durch etwa 200 Meter lange, gerade Wälle (“Kurtinen“) miteinander verbunden. Weitere erhaltene Bauwerke wie das Ravelin („Schildwall“) „Schweinekopf“ vor der Westkurtine, Zugbrücke, Kasernen oder das repräsentative Torhaus vervollständigten die Anlage.

Schematische Darstellung der Zitadelle Spandau

1 Torhaus; 2 Juliusturm; 3 Palas; 4 Bastion Kronprinz; 5 Bastion Brandenburg; 6 Bastion Königin; 7 Bastion König; 8 Kanonenturm; 9 ehemalige Kaserne; 10 Wassertor; 11 italienische Höfe; 12 ehemaliges Verwaltungsgebäude; 13 Magazin; 14 ehemaliges Offiziershaus; 15 ehemaliger Exerzierschuppen; 16 ehemaliges Zeughaus; 17 Ravelin „Schweinekopf“; 18 Damm und Brücke; 19 Wassergraben; 20 Havel; 21 Spandauer See/Krienecke

Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg (1674-1679) wurde die Zitadelle 1675 erstmalig belagert. 1806 kapitulierte Spandau, wie damals die meisten preußischen Festungen, kampflos vor napoleonischen Truppen. Von französischen Truppen besetzt, wurde die Zitadelle 1813 im Verlauf der Befreiungskriege durch preußisches Kanonenfeuer schwer beschädigt. In Folge wurde die Zinnenkrone des schräg stehenden Juliusturms, der eine Mauerdicke von bis zu 3,6 m aufweist, zerstört und erst 1838 durch den berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel restauriert. Im Juliusturm wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 der aus französischen Reparationszahlungen generierte „Reichskriegsschatz“ bis zur Rückgabe an Frankreich 1919 eingelagert.

Die Zitadelle Spandau, die in der Literatur mitunter mit dem benachbarten NS-Kriegsverbrechergefängnis verwechselt wird, war auch Festungshaftgefängnis für Prominente wie „Turnvater“ Jahn. In der NS-Zeit war die Festung unter anderem Zentrum der miltärischen Kampfgasforschung.

Heute ist der Bau, der nach dem Zweiten Weltkrieg lange als Schulgebäude genutzt wurde, Sitz zahlreicher kultureller Einrichtungen wie dem 1992 ins Zeughaus eingezogenen „Stadtgeschichtlichen Museum“. Daneben ist die Zitadelle im Winter Heimat für etwa zehntausend Fledermäuse.

Für die Berliner, und speziell die Spandauer, ist die mittlerweile friedlichen Zwecken dienende Zitadelle nicht nur bloßes Denkmal, sondern heimatlicher Identifikationsbau.