Berlin bei Spandau?

Berlin bei Spandau?

Der Bezirk Spandau besteht aus mehreren Ortsteilen. Einer davon entspricht dem Stadtkreis Spandau mit seinen eng verbundenen Ortsteile Hakenfelde, Falkenhagener Feld und Wilhelmstadt.
Die Einwohner von Spandau, die schon seit Generationen in ihrem Ortsteil leben, neigen dazu, den Kernbereich von Spandau nicht als Teil der Metropole Berlin wahrzunehmen. Echte Spandauer „fahren nach Berlin“, wenn sie ihren Bezirk in Richtung Stadtzentrum von Berlin verlassen. Fragt man sie nach ihrem Wohnort, dann kann es sein, dass sie „Spandau bei Berlin“ antworten.

Der Stolz auf den eigenen Ortsteil, den „Kiez“ ist überall in Berlin zu beobachten. In Spandau ist er deshalb besonders ausgeprägt, weil die Spandauer sich darauf berufen können, dass ihr Wohnort noch vor Berlin die Stadtrechte erhielt. Spandow, wie die Siedlung in früherer Zeit hieß, erhielt die Stadtrechte spätestens im Jahr 1232 verliehen. Unter Historikern ist lediglich umstritten, ob die Stadtrechte mit Urkunde aus dem Jahr 1232 verliehen wurden oder zu diesem Zeitpunkt bereits Bestand hatten. Unbestritten ist, dass die Spandauer mindestens 5 Jahre eher in einer eigenen Stadt leben konnten als die Einwohner der heutigen Metropole Berlin.

Bei der Eingemeindung im Jahr 1920 war Spandau einer der wenigen Ortsteile, die zuvor eigenständige Stadtrechte wahrgenommen hatten. Die meisten neuen Ortsteile waren Dörfer oder Ansiedlungen gewesen.
Spandau hat also eine eigenständige Geschichte, die nicht notwendig mit der Stadtgeschichte von Berlin verflochten ist. Spandau wurde im Verlauf der Geschichte zur Garnisonsstadt mit Festung. Die Befestigungen dienten auch dem Schutz der Residenzstadt Berlin, aber die Spandauer führten im Schatten der Zitadelle ihr eigenständiges Leben mit Handel und Industrie.

Die Stadt Spandau durchlief Blütezeiten und hatte nach dem Ersten Weltkrieg durch den Niedergang der Rüstungsindustrie mit erheblichen sozialen Problemen zu kämpfen.
Der Stolz eines eingesessenen Spandauers besteht darin, die Gräber seiner Großeltern auf dem Spandauer Friedhof „In den Kisseln“ zu besuchen. Dieser Friedhof wurde 1886 eröffnet, als Spandau noch eine eigenständige Stadt war. Auf dem kommunalen Friedhofsgelände fanden Spandauer aller Konfessionen und auch Mitglieder des Spandauer Großbürgertums ihre letzten Ruhestätten.

In Spandau sind Gäste aus Berlin und aus dem Rest der Welt grundsätzlich willkommen, wenn sie am kulturellen Leben teilnehmen wollen, einkaufen oder den traditionellen, großen Weihnachtsmarkt in der Altstadt besuchen.
Mancher Spandauer fährt auch regelmäßig nach Berlin, sei es, um dort zu arbeiten, oder sei es, um einzukaufen oder seinen Abend zu gestalten. Einige, meist ältere Spandauer erklären jedem Fragenden jedoch gerne, dass sie Spandau nicht verlassen, weil sie hier alles haben, was sie brauchen,